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Der "richtige" Bestand? So geht Supply Chain!

Neulich bei VW – Der Zulieferer Prevent stoppte die Lieferung von Sitzbezügen, und bis zur gerichtlichen Klärung standen die Produktionsbänder der Passat-Fertigung still.

14.000 Arbeiter konnten tagelang nicht arbeiten, die Unterbrechung der fragilen Lieferkette führte zu hohen Produktionsausfällen beim ohnehin gebeutelten Autobauer. Die nahtlos getaktete Just-in-time-Produktion offenbarte einmal mehr ihre Risiken...

Insolvenzen von Zulieferern oder Unglücksfälle, Hallenbrände, Katastrophen, Überschwemmungen, Erdbeben und Tsunami wie 2011 in Japan bringen Produktionen zum Stilllstand und die Hersteller in echte Schwierigkeiten, u.a. weil benötigte Teile fehlen. Andererseits enstehen massive Kostenprobleme, wenn ein Hersteller sich für alle Eventualitäten Teile aufs Lager legt.

Gegen Erdbeben und renitente Zuliefere kann sich ein Hersteller nur schwer absichern. Aber auch im sehr komplexen Normalbetrieb die richtigen Mengen zu finden, die dem schwankenden Bedarf durch entsprechende Bestände, aber auch der Kostenproblematik Rechnung tragen, ist vor dem Hintergrund der globalen Konkurrenz überlebensnotwendig!

Im Logistik- und Supply Chain Management dreht sich also vieles um die "richtigen" Mengen, die danach zur richtigen Zeit am richtigen Ort eintreffen bzw. vorhanden sein sollen. Der "richtige" Bestand steht als entscheidende Größe am Anfang einer Kette von Aktionen und sollte tunlichst dem tatsächlichen Bedarf entsprechen. Welche Einflußfaktoren und Kenngrößen gibt es hier als Indikatoren für "richtig"?

Inventory health:

Das ist definitiv eine wichtige Kennzahl dafür, ob der Bestand der richtige ist. Sind die richtigen Teile in der richtigen Menge im Lager bzw. auf Vorrat? Welche Teile benötigt man häufig, welche benötigt man nie? Die Aussagen hierzu stammen in der Regel aus ABC und XYZ Analyse, Verbrauch, Reichweite, Kosten und können in diversen Ratios zu weiteren aussagefähigen Kennzahlen verarbeitet werden. Eine davon ist z. B. der "Turn" (3/5/20 je nach Branche p.a.) für den gesamten Bestand. Vergleichswerte und Benchmarks sowie Branchenkennzahlen geben Aufschluss darüber, ob der Bestand "gesund" ist. Nicht gesund gilt ein Bestand, wenn Teile selten oder nicht gebraucht werden, zu viele falsche Teile oder richtige Teile in zu hohen Mengen gelistet sind.

Long tail:

Mit diesem Begriff ist der große, flach verlaufende Schwanz der C-Teile in einer ABC-Analyse gemeint, den man nicht mehr einfach abschneidet. "Cut the long Tail" war gestern! Heute lagern Anbieter jedoch seltene C-Teile nicht mehr bei sich, sondern bieten es vernetzt und direkt über den Hersteller an, für den es vielleicht kein C-Teil ist, weil er genau darauf spezialisiert ist und für ihn das C-Teil ein A-Teil ist! Hier ist Zusammenarbeit und Datenvernetzung Trumpf!

E&O Excess/Obsolesence:

Immer wieder finden sich in Lagern, im Warenwirtschaftssystem und/oder in der gesamten Prozesskette Produkte, die zu viel (excess) oder zu alt (obsolete) sind und sich damit weder bewegen noch zum Einsatz kommen. In Branchen mit knallharten Vorschriften wie beispielsweise der Luftfahrt ist nach Ablauf eines Verfallsdatums ein Teil nicht mehr einsetzbar, genauso wie ein abgelaufener Joghurt im Supermarkt. Auch nach technischen Veränderungen und Verbesserungen sind Teile oft veraltet. Ganz zu schweigen von Teilen, die einfach in zu großer Menge eingekauft und aufs Lager gelegt wurden, den tatsächlichen Bedarf jedoch um ein Vielfaches überschreiten. E & O ist eine wichtige Kennzahl eines "gesunden Bestandes" einer gut organisierten Logistik und einer perfekten Supply Chain!

Vendor Managed Inventory (= Vendor Managed Replenishment):

Um E&O zu vermeiden, steigen Hersteller zunehmend auf dieses Konzept um. Hier plant, pflegt und organisiert der Lieferant den Bestand des Herstellers und übernimmt die komplette Verantwortung für Kosten, Teile-Verfügbarkeit u. ä, vergleichbar mit der Regalpflege durch externe Dienstleister im Edeka-Supermarkt. So wird der Lieferant zum in die Wertschöpfungskette integrierten Partner, der diese Aufgabe besser und preiswerter machen kann, weil er Spezialist ist, anders als der OEM! Der kann sich dafür um sein Kerngeschäft kümmern! Letzteres ist gleichzeitig Erfolgsfaktor und Ziel, wie so oft - im Leben und im Business:

"Konzentriere Dich auf Dein Kerngeschäft und überlasse den Rest anderen, die es besser und preisgünstiger können!"